Jan M. Böhm und Claudia Hoock
Sozialisation und Persönlichkeit
Autoritarismus, Konformismus oder Emanzipation bei Studierenden
aus Ost- und Westdeutschland
242 Seiten - DM 35.00
Focus Verlag - Postfach 110328 - 35348 Gießen
ISBN 3-88349-472-0
Bald ein Jahrzehnt nach der deutschen Einheit existieren weiterhin
ökonomische und soziale Trennlinien zwischen Ost und West. Eine
innere Einheit ist auch mittelfristig kaum abzusehen. Massenarbeitslosigkeit
und die "Globalisierungs"-Debatte verursachen besonders seit Mitte der 90er
Jahre Unsicherheiten, Ängste und vor allem einen steigenden Anpassungsdruck.
Das vorliegende Buch versucht, auf der Basis einer umfangreichen
tiefenhermeneutischen Studie mit etwa 200 Studierenden aus
Ost- und Westdeutschland die Frage zu klären, in welchem Ausmaß
Autoritarismus und Konformismus, aber auch emanzipatorische und demokratische
Haltungen bei jungen Erwachsenen verbreitet sind. Hierbei geht es weniger um eine
gesamtdeutsche Repräsentativerhebung, als vielmehr um den Vergleich der beiden
Stichproben aus Münster und Leipzig: Lassen sich auch Jahre nach der "Wende"
noch Differenzen in der Persönlichkeit ost- und westdeutscher junger Erwachsener
nachweisen, die durch konkret abweichende Sozialisationserfahrungen in unterschiedlichen
gesellschaftlichen Systemen zu erklären sind?
Methodisch basiert die Untersuchung auf der politischen Psychologie Erich Fromms,
die im ersten Teil des Buches sowohl systematisch als auch in ihrer Entstehung
seit den 30er Jahren dargestellt wird. Fromm, der anfangs ein führendes Mitglied
der "Frankfurter Schule" war, entwickelte lange vor Adorno den Begriff des
"autoritären Charakters" sowie eine eigenständige analytisch-interpretative
Forschungsmethode. Sein Konzept des social character besagt, daß jede Gesellschaft
die Persönlichkeit ihrer Mitglieder in sozial-typischer Weise prägt. - Ausgehend
vom gegenwärtigen Kenntnisstand von Wissenschaftstheorie und Sozialisationsforschung
unternehmen die Autoren eine kritische Revision der politischen Psychologie
Erich Fromms und bemühen sich um eine methodische Weiterentwicklung des social character
Konzeptes sowie der analytisch-interpretativen Methode (Tiefenhermeneutik).